Das thailändische Schulsystem

Mir ist aufgefallen, dass ich hier auf meinem Blog zwar immer wieder etwas über das thailändische Schulsystem schreibe, es aber noch nie vollständig erklärt habe. Das hole ich jetzt mal nach!

In Thailand gibt es eine Primary School, also eine Grundschule. Genau wie in Deutschland kommt man in diese mit sechs Jahren, doch man besucht sie nicht vier sondern sechs Jahre lang (ich vergleiche mit dem Schulsystem in Baden-Württemberg). Danach gehen die Schüler auf die High Schule (weiterführende Schule), da gibt es nur eine Gesamtschule also keine unterschiedlichen Levels wie wir es in Deutschland kennen. An so einer Schule unterrichte ich, deswegen kann ich auch nur dazu etwas sagen und leider nichts zur Grundschule. Es gibt sechs Klassenstufen, sie heißen M1, M2 … und M6. M1 bis M3 bilden die Unterstufe, M4 bis M6 die Oberstufe. Unterscheiden kann man die Mädchen an der Frisur, die Haare der Mädchen in der Unterstufe müssen relativ kurz sein, alle haben eine Bob (siehe Foto). Die älteren sollen lange Haare haben und diese zu einem Zopf binden. Wie die Mädels es schaffen, in den 8 Wochen Sommerferien zwischen M3 und M4 lange Haare zu bekommen ist mir schleierhaft. Bei den Jungs gibt es keine speziellen Vorgaben.

IMG_1179.JPG

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich jeden Morgen vor dem Kleiderschrank stand und mich schnell entscheiden musste, damit ich nicht zu spät komme. Dieses „Problem“ haben die Schüler in Thailand nicht, denn es gibt Schuluniformen. An meiner Schule gibt es vier verschiedene. Die normale (Foto 1), die in ganz Thailand verbreitet ist, also nicht nur an meiner Schule. Dann gibt es ein Sportoutfit (Foto 2), das tragen die Schüler, wenn sie Sportunterricht haben. Das ist auch wieder in allen Schulen in Thailand verbreitet, doch die Farbe der T-Shirts ist dann an jeder Schule anders. Dann gibt es für Freitag ein spezielles weißes Poloshirt (Foto 3) von meiner Schule. Da Mittwochs der sogenannte „Scout“-Tag ist, haben alle Unterstufenschüler eine spezielle Uniform an (Foto 4, das ist meine ältere Gastschwester). Das erinnert etwas an ein Pfadfinderoutfit, finde ich zumindest. Und die Scouts kann man auch damit ganz gut vergleichen. Sie haben quasi eine eigene AG und jeden Mittwoch treffen sich alle und haben speziellen Unterricht und Übungen. Leider konnte mir bisher noch niemand so genau erklären, was genau sie da lernen, aber so wie ich es verstanden habe, ist diese AG militärisch angehaucht und soll die Kinder motivieren, dem Militär beizutreten.

Zu dem Unterricht an sich: Die Schüler haben alle möglichen Fächer, Mathe, Physik, Geschichte, Sport … und natürlich Englisch. Die Arbeitsmoral ist, wie schon mehrere Male angesprochen, nur teilweise vorhanden, was aber auch einfach an den Lehrern liegt (meine eine Englischkollegin schaut bevorzugt youtube-Videos auf Thai in ihrem Unterricht). Ich versuche nach wie vor besonders die motivierten Schüler zu fördern und gestalte den Unterricht mit Arbeitsblättern, kleinen Spielen und Gesprächen. Die Klassen bestehen aus 25 bis 35 Kindern, obwohl nie alle da sind und so was wie Entschuldigungen gibt es hier nicht.

Der Schultag beginnt mit einer Morning Ceremony (siehe Blogeintarg „Alltag“) um 8.00 Uhr. Um 8.15 Uhr beginnt dann die erste Stunde – theoretisch. Leider ist es so, dass die Stunden hier nie wirklich pünktlich anfangen, da die Schüler sich irgendwie immer verspäten. Und wenn man sie dann fragt „Warum bist du denn zu spät?“ kommt ein fröhliches „Ich war noch in der Kantine etwas essen!“ zurück. Eine Stunde dauert 50min, der Vormittag besteht aus vier Stunden, dann ist eine Stunde Mittagspause und dann kommen wieder vier Stunden Unterricht. Um 15.45 Uhr heißt es dann Schule aus und alle versammeln sich zum Abschied nochmal, ähnlich wie bei der Morning Ceremony.

Klassearbeiten oder Klausuren gibt es nicht, es gibt zentrale Examen. Pro Semster die Midterm-Exams und die Final Exams. Das erste Semester geht von (ungefähr Mitte) Mai bis (ungefähr Anfang) Oktober, dann sind kurze Ferien. Das zweite Semester geht dann von November bis März und dann sind Sommerferien. In Thailand ist es so, dass jede Schule eigenständig entscheiden kann, wann Ferien sind. Zeugnisse gibt es immer nach den Final Exams. Es gibt hier keine Noten, sondern Punkte. Pro Fach kann man 100 Punkte erreichen, der Lehrer entscheidet selbst, aus was die Punkte sich zusammensetzen. 50 Punkte brauch man, um das Fach zu bestehen. Sollte ein Schüler weniger Punkte haben, so wird dieser so lange extra nachgeprüft, bis er die 50 Punkte erreicht hat. Durchfallen und eine Klasse wiederholen gibt es hier nicht, so muss man sich also nicht wundern, warum in M6 einige Schüler sitzen, die nicht mal „My name is …“ sagen können.

Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist ganz anders, als das in Deutschland. Hier sind Lehrer wie Freunde, die Schüler haben (meistens) großen Respekt und sehen sie als Vorbilder an. Letzte Woche hatte eine Lehrerin Geburtstag und sie hat bestimmt vier Kuchen von Schülern geschenkt bekommen. Auch spielt sich das Leben der Kinder viel mehr in der Schule ab, viele bleiben nachmittags noch länger da zum Fußball spielen oder Hausaufgaben machen. Wenn ich samstags an der Schule vorbeikomme sehe ich auch immer Schüler, Schule ist hier einfach der soziale Mittelpunkt, was ich eigentlich sehr schön finde.

Trotzdem bekomme ich ab und zu mit, wie Lehrer ihre Schüler schlagen. Meine Advisorin meinte ich solle das auch tun, wenn sich Schüler schlecht verhalten, aber das will ich nicht und habe ihr das auch gesagt.

So, das sollte als Überblick mal reichen, sollten irgendwelche Fragen aufkommen, könnt ihr sie mir natürlich gerne stellen.

Wer die Nachrichten verfolgt, sollte mitbekommen haben, dass in Südostasien grade eine ungewöhnliche Kältewelle herrscht. Bei mir hier im Süden heißt das angenehme 26 Grad und ein frischer Wind. Im Norden hört der Spaß aber auf. Dort sind nur so zehn bis zwölf Grad. Ohne Heizung und gedämmten Häusern wird das ziemlich kalt. Helen, meine beste Freundin hier in Thailand, ist grade nur noch am Frieren, auf ihrem Blog hat sie das mal mehr beschrieben: http://helengoesthai.weebly.com/. Dort bekommt ihr auch mal einen zweiten Blick auf Thailand und auf einigen Bildern bin auch ich zu sehen.

Ganz liebe Grüße nach Deutschland und eine schöne Faschingszeit!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s